| Projekt Sein – Nichts |
(2003)![]() für variable Musikwerke, Zuschauerraum, black-box, Spezialwände, Lichtinstallation und 5 Instrumentalisten. Werkinformation (2003)Sein – Nichts befasst sich mit der Kunstsituation an sich und deren Auflösung in verschiedenen Ebenen. Ausgehend von der klassischen Konzertsituation - den Kunstobjekten 'Interpret' und
'Musikwerk' - wird das Objekt im Verlauf der Performance aufgelöst.
Die Raumsituation um das agierende Kunstobjekt 'Interpret' zerfällt, es selbst verschwindet
auf visueller und musikalischer Ebene. Die normalerweise passiven Zuschauer werden zum
aktiven Teil der Performance und geben damit den Weg frei zur weiteren Bewegung ins
Nichts: dem kompletten Entgleiten des Raums bis zur Wahrnehmungsgrenze und der
Auflösung des Begriffs 'Musikwerk'. Der 'Zuschauer' steht als Mittelpunkt im ansonsten kunstleeren Raum. AusführendeBlackboxUmgebungRaum 1Künstlerische Leitung/Idee/RealisationPatrick Frank Bühnenbildplanung, -BauMichel Schranz BühnenbildbauThomas Rutz Weitere AufbaukräfteAlessandra Frank LichttechnikPeter Hauser MusikerSaxophone: Rico Gubler PresseThomas Meyer, Dissonanz Nr. 85, März 2004 . Musik um Sein und Nichtsein.Zappenduster wars. Am Ende kehrt man aus der Black Box (War die Musik dort eigentlich zu Ende? Sie klang doch immer noch nach!) in den Konzertraum zurück, in dem man zuvor sass. Der Raum ist wieder intakt, ist hell, nur die Stühle sind umgekehrt, nicht mehr aufs Solistenpodium ausgereicht, sondern auf die erleuchtete Rückwand. Die Leute setzen sich nochmals, richten sich ein, warten, sehen die Wand an, dann einander und schliesslich gehen sie. Ob sie noch applaudieren bei diesem offenen Ende? Vielleicht, aber es ist nicht vorgesehen, nicht wichtig. Damit kommt das Stück, diese 'Konzert-Performance', zu seinem logischen Ende, das 'Projekt I', Sein/Nichts der 'Projektreihe für Klangkunst traute'. Nicht im Dunkel der erloschenen Lichter und der geschlossenen Augen erfährt man das Nichts, sondern erst zenmässig klaren Blicks vor der leeren Wand. Beim Hinausgehen wird einem ein Blatt in die Hand gedrückt, auf dem die Daten zu Erlebtem nachgetragen werden. Von wem die Stücke stammten, die man hörte: von Helmut Öhring (Cayabyab), Gary Berger (zah), Edu Haubensak (Gestes) und Patrick Frank. Wer sie spielte: Rico Gubler, Saxofone; Imke Frank, Violoncello; Sebastian Hofmann, Percussion; Judit Polgar am Gamma-Synthesizer und Gary Berger, Live-electronics. Wer steht dahinter: Michel Schranz, Bühnenbild, und vor allem Patrick Frank, der 1975 geborene Zürcher Komponist, von dem die Idee stammt und der das Ganze realisiert hat.
Ihn interessiert die existenzielle Dimension: Wo bin ich? Wo ist das Sein und das Nichts? Dem spürt er musikalisch nach: künstlerisch-sinnlich. Zwei Jahre hat er an Sein/Nichts gearbeitet, vor- und nachgedacht, Gespräche geführt, weiterentwickelt. Er wagt ein Experiment. Mit der veränderten Konzertsituation soll sich die Wahrnehmung neu orientieren. Im Raum sind die Höhrenden auf sich selbst zurückgeworfen. Das ist nicht ohne Risiko - doch gerade das Risiko, das mit dem ästhetischen Ge- oder Misslingeneine existenzielle Erfahrung birgt, ist in der Neuen Musik vonnöten.
Jürg Huber, NZZ, 13.12.03 Reise ins leere Zentrum . Sein/Nichts' in der Shedhalle'Break on trought to the other side', sang Jim Morrison von den Doors in den späten sechziger Jahren. Mittels psychedelischer Drogen sollten die Pforten der Wahrnehmung dem Unbekannten geöffnet werden. Mit künstlerischen Mitteln verfolgt der in Zürich lebende Musiker Patrick Frank eine ähnliche Absicht. Seine Performance 'Sein/Nichts', die am Donnerstagabend in der Shedhalle aufgeführt wurde, geht von einer voraussehbaren musikalischen Aufführungssituation aus, um sie dann plötzlich umschlagen zu lassen und so neue Wahrnehmungsformen zu ermöglichen. Begonnen hatte der Abend mit zeitgenössischer Musik: Auftrittsapplaus, dann lauschte ein neugieriges Publikum in einem weissen Konzertraum einem Trio mit Rico Gubler (Saxophone), Imke Frank (Cello) und Sebastian Hofmann (Perkussion). Helmut Öhrings 'Cayabyab' entwickelte mit Atemgeräuschen des Saxophons, gestrichenen Vibraphontönen und perkussivem Cellospiel eine eigene Klanglichkeit. Beim nächsten Stück, Gary Bergers 'Zah', weitete sich der Klangraum mit von unsichtbarer Hand hinzugefügten elektronischen Klängen. Gleichzeitig fand eine physische Entgrenzung statt, als die Seitenwand des von Michel Schranz und Patrick Frank konzipierten Raums fielen und eine Stimme aus dem Off das Publikum aufforderte, die Papierwand neben dem Posium zu durchbrechen. Der zweite Teil - eine Reise ins Innere. Aus dem hellen Licht des Bewusstseins trat man sozusagen in die Geborgenheit eines dunklen Raumes, in dessen Zentrum ein leeres Glas angeleuchtet wurde, über dem ein Metallreif schwebte. Erneut setzte Musik ein, diesmal von ausserhalb. Auf Edu Haubensaks 'Gestes' für Saxophon und Perkussion antwortete Patrick Frank mit eigens für die konkrete Aufführungssituation geschaffenen Stücken, die diesen quasisakralen Raum von allen Seiten beschallten. Subtile Veränderungen des Lichts (Peter Hauser, Patrick Frank) verstärkten die akustischen Eindrücke. Die Instrumentalklänge wurden zunehmend von elektronischen Ambient-Klängen überlagert, die in der nun herrschenden Dunkelheit auch bedrohliche Züge annahmen. Licht zeigte den Weg ins Freie, zurück in die Welt der Alltagsgeräusche, ins Alltagsbewusstsein. |