unbegriffliches
Werkreihe Indifferenz

(2006-2008)

Die Werkreihe setzt sich aus den Stücken und Projekten

Der schalltote Raum
Konzert-Installation Limina
Projekt Limina

zusammen.

Vor der Komposition des schalltoten Raumes erfuhr ich das Problem der Beliebigkeit ganz konkret: Welches Tonhöhensystem sollte ich anwenden oder entwickeln, wenn doch heute alles möglich ist? Warum sollte ich über eine ‚interessante’ Tonhöhenstruktur nachdenken, wenn ‚Struktur’ irrelevant geworden ist? Aus diesem Grund wählte ich eine möglichst indifferente Tonhöhenorganisation: entweder nur ‚ein’ Ton oder das chromatische Total. Eine Differenzierung der Tonhöhen (d.h., eine Auswahl zu treffen) ergab sich mit dieser Entscheidung nicht. Um dies zu verdeutlichen und gleichzeitig einen Bogen zur Vergangenheit zu schlagen – als eine Tonhöhendifferenz zur kompositorischen Normalität gehörte – plante ich, das im Konzertprogramm nachfolgende (differente) Stück an zwei Stellen im ‚schalltoten Raum’ erklingen zu lassen. An der Uraufführung war das nachfolgende Stück ein Werk Mozarts, dessen Hauptthema von Bläser ausserhalb des Konzertraumes gespielt wurde. Nach dem schalltoten Raum erklang Mozarts Werk, ganz normal, auf der Bühne.

Im der Konzert-Installation Limina  wollte ich einige gesellschaftlichen Bedingungen, die zur sozialen Indifferenz führten, kondensiert inszenieren und den Zuschauer unmittelbar darin verwickeln. Mir war klar, dass dadurch diese Bedingungen zwar wahrgenommen, jedoch nicht zwangsläufig mit dem (komplexen) Thema in Verbindung gebracht wurden.

Aus diesem Grund sah ich vor, das theoretisch anspruchsvolle Thema mit einer Buchveröffentlichung und einem Symposium zu verdeutlichen. Das Projekt Limina bestand aus einem ästhetischen Teil (die Konzert-Installation und die Tanzperformance) und einem theoretischen Teil (das Symposium und das Buch). Beide Bereiche waren eigenständig und sollten einander befruchten: Der ästhetische Teil gewann durch die theoretische Auseinandersetzung an Intersubjektivität; der theoretische Teil hingegen wurde durch die Aufführung veranschaulicht und insofern subjektiviert.