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Studien I-III zum Jetzt-Möglichen |
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(2008-2010) Die Werkreihe setzt sich aus den Stücken
Studie I zum Jetzt-Möglichen Responsorium I-X (Studie II zum Jetzt-Möglichen) Das Meisterwerk (Studie III zum Jetzt-Möglichen)
zusammen.
Den ‚Studien zum Jetzt-Möglichen’ ging die Werkreihe zur ‚Indifferenz’ voraus. Letztere war eine ästhetische Verarbeitung und Rekapitulation der Gründe des Verlustes intersubjektiver Differenz und damit einhergehend, Kritikfähigkeit der Neuen Musik. Die ‚Studien zum Jetzt-Möglichen’ versuchen, theoretisch durch Schriften Harry Lehmanns und Jean Baudrillards fundiert, Wege in eine neue Differenz zu finden. Die von Lehmann postulierte ‚reflexive Modernisierung’ der Neuen Musik erweist sich im praktisch kompositorischen Vollzug als schwierig einzulösen.
In der ‚Studie I zum Jetzt-Möglichen’ lenke ich die Aufmerksamkeit auf die grosse und kleine Terz: Wann höre ich (nur) eine grosse Terz, wann wird diese zum Dur-Dreiklang innerlich ergänzt? Assoziiert eine grosse Terz, ergänzt durch das innerliche Hören eines Dur-Akkordes, zwangsläufig die Tonalität? Wenn Tonalität assoziiert wird: wann wirkt diese Assoziation ‚naiv’, wann ‚reflexiv’ (im Sinne Lehmanns)?
Das ‚Responsorium I-X (Studie II zum Jetzt-Möglichen)’ ergänzt die kompositorische Untersuchung der ersten Studie mit der Frage wie Moral und Kritik, explizit vorgetragen, wirken: kritisch (inhaltsvoll) oder naiv (inhaltsleer)? Michael Kunkel schrieb über das Responsorium (im CD-Booklet zur Grammont Sélection 2): „In Responsorium kommt sehr deutlich zum Ausdruck, wogegen Patrick N. Frank sich mit seiner Musik richtet: gegen die diskursfeindliche Atmosphäre der zeitgenössischen Musik, in der die Uraufführung eines Werkes oft bedeutet, selbiges abzuhaken. Im Zeitalter maximaler Gleichgültigkeit der Feuilletons gegenüber zeitgenössischer Musik versucht ein Musiker, eine Diskussion mit den Mitteln seiner Musik zu impulsieren: Das Responsorium ist traditionell eine Form des Dialogs.“
‚Das Meisterwerk’ bildet die vorläufig letzte Studie zum Jetzt-Möglichen. Lagen den ersten zwei Studien Lehmanns Theorie der ‚reflexiven Modernisierung’ zugrunde, so ist es in der dritten Studie Baudrillards Simulakrums-Theorie. Statt gegen das Simulakrum anzukomponieren (welcher Komponist wünscht, dass seine Musik nur eine Simulation, ein Abbild und kein Original ist?) versuche ich im ‚Meisterwerk’ ein explizites Simulakrum zu sein: Nicht nur das ‚Musikwerk’, auch sein Urheber. Durch den freiwilligen Verzicht auf ‚kompositorische Originalität’ möchte ich den abstrakten Begriff des ‚Simulakrums’ ästhetisch wahrnehmbar machen. Dies ist auch eine Kritik an die ‚naive’ Neue Musik und verdeutlicht die theoretische Verwandtschaft Lehmanns mit Baudrillard. (Das ‚Simulakrum’ und die ‚naive Moderne’ sind theoretisch verwandt.)
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