| Wir sind aussergewöhnlich |
(2009-2011)in Auftrag von Judit Polgar anlässlich der Wettbewerbsausschreibung gesucht wird ein aussergewöhnliches Projekt für Liedbegleitung. mit mehreren Kunstproduktionen, Symposium, Buchveröffentlichung. Dauer: mehrere Tage. Uraufführung: folgt. Zum AussergewöhnlichenEine Einleitung (2010)Die Thesen zum Aussergewöhnlichen erarbeitete Patrick Frank zusammen mit dem Philosophen Harry Lehmann. Patrick Frank
Das Aussergewöhnliche verstehen wir im vorliegenden Projekt als kulturtheoretisches Beschreibungsmodell. Es geht von der Annahme aus, dass den heterogenen Entwicklungen (beispielsweise in der Kunst) gemeinsame Orientierungen zu Grunde liegen. In den untersuchten Zeitraum von der Romantik bis heute konnten wir drei grosse Umbrüche feststellen. Wir bezeichnen sie als das Aussergewöhnliche als Absolutes, das Aussergewöhnliche als Neues und die Massenkultur des Aussergewöhnlichen.
Kann sich das Neue ewig erneuern? Oder wird auch das Neue irgendwann müde? Die Geschichte lehrt uns: ja. In der Postmoderne erschöpfte sich das Neue. In den Künsten wurden alle Grenzen gesprengt, alle Tabus gebrochen – das Zeitalter des anything goes brach an. Wie reagiert eine Kultur, in der alles möglich erscheint (Toyota: Nichts ist unmöglich)? J. Baudrillard beschreibt sie als die ekstatische Gesellschaft, deren vordringlichstes Merkmal der Schein ist. Eine Steigerung ist nur noch als Schein einer Steigerung möglich, als ein ‚so-tun-als-ob’. Scheinhaftigkeit zeichnet sich durch qualitative Indifferenz aus. Damit ist gemeint, dass auf der inhaltlichen (qualitativen) Ebene Unterschiede irrelevant sind (anything goes) und stattdessen Quantität das Vakuum der Qualität ersetzt. Da qualitative Aussergewöhnlichkeit nicht mehr festzustellen ist, wird die Quantität zum neuen Instrument der Differenz. Quantität = Qualität lautet die Formel, mit der die ekstatische Gesellschaft effizient abermillionen indifferente Informationen verarbeiten kann. Darunter zu leiden haben diejenigen kulturellen Leistungen, die nicht quantitativer, sondern qualitativer Natur sind: beispielsweise die Kunst oder die Geisteswissenschaften. Mit dem Zwang zur quantitativen Logik wird auch die Kunst in den Sog des Scheins gezogen. Die Massenkultur des Aussergewöhnlichen ist das Bild einer entfesselten, möglichkeitsüberfluteten Gesellschaft im manischen Kampf um Differenz. |